Reisen, Fotos,Bücher
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AUGUST-Blog

Nachdem ich im Juli eher leichtere Lektüre vorgestellt habe, kommen nun wieder andere Titel!!

28. August

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Auf dieses Buch wurde ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam.

Dann las ich die Verlagsinfo....

Heikles Thema, dachte ich zuerst. Aber es hat mich doch interessiert und ich habe es gestern Abend noch als E-Book runtergeladen. Ich las  auch gleich die ersten 3 Kapitel in einem Rutsch. Es wird aus der Sicht der 16-jährigen Hazel erzählt. So bekommt der Leser die Gedanken und Emotionen sehr direkt vermittelt und ich muß sagen, es berührt mich in vielerlei Hinsicht. Zum Einen bekommt man schonungslos mit, welch scheussliche Auswirkungen der Krebs auf die Einzelnen hat und wie deprimierend die Situation für viele ist. Zum Andern sieht man aber auch, was an positiven Dingen geschieht und möglich ist, trotz Krankheit.Die Dialoge sind ungekünstelt,offen,mal zynisch, mal augenzwinkernd, aber nie triefend auf Betroffenheit zielend. Emotional, aber nicht kitschig. Berührend, aber nicht deprimierend. Bisjetzt lese ich das Buch sehr gerne. Mal wühlt es sehr auf, mal bringt es zum Schmunzeln. Der Autor hat die Gabe, uns Hazel sehr authentisch rüber zu bringen. So offensiv wie Green seine Charaktere mit dem Thema Krankheit,Leiden,Tod und dem jeweiligen Gegenteil umgehen lässt, so offensiv wirbt er auch für das Buch. Hier will einer zeigen, dass man auch ohne den üblichen Betroffenheits-Schmus mit dem Thema und den Betroffenen(!) umgehen kann! Die Werbekampagne find eich ein bisschen arg auf jugendlich gemacht, aber es ist ja auch ein Jugendbuch und soll in erster Linie diese Zielgruppe erreichen.

 

31. August: Habe das Buch beendet. Ganz konnte auch Green nicht auf die genre-üblichen sentimentalen Szenen verzichten, die auf das emotionale Aufwühlen und die Betroffenheit der Leser abzielen.Gleichwohl hinterfragt er all diese Dinge...Kurz und gut: ich habe, obwohl nicht nah am Wasser gebaut, einige Tränen verdrückt. Das Buch lebt von den Dialogen zwischen Hazel und Gus und den Gedanken Hazels. Darin steckt so viel Weisheit und Feinsinnigkeit.

Lieblingssätze:"Ich war gerne ein Mensch.Ich wollte es noch eine Weile bleiben.Sorgen sind eben eine weitere Nebenwirkung des Sterbens."

Und: "Ehrlich gesagt hatte ich den Glauben an den Himmel immer für einen intellektuellen Aussetzer gehalten."

Das Buch ist als Jugendbuch eingestuft und wird am 13 Jahren empfohlen; ich persönlich kenne keinen 13-Jährigen, dem ich das Lesen dieses Buches zutrauen würde. Da muß man schon genau hinsehen, wem man es gibt.

18.August

 Orford:Todestanz

Spielt wieder in Kapstadt und Umgebung und diesmal wird Riedwaan Faizal, der Ermittler, höchstpersönlich in einen Fall verstrickt. Seine kleine Tochter wird entführt und man verdächtigt zunächst ihn selbst.....Ich habe erst knapp 60 S. gelesen. Werde aber am Wochenende dran bleiben.

Donnerstag, 23. August: seit Tagen lese ich immer wieder ein paar Kapitel. Es ist nicht gerade ein pageturner, aber die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und als Leserin kann ich mitfiebern, mich hineinfühlen, was passiert. Dieser Roman ist der dritte, in dem Faizal und Clare miteinader arbeiten. Jedoch liegt er zeitlich vor den beiden anderen. Das hat mich anfangs sehr irritiert, denn die beiden lernen sich hier gerade erst kennen, während sie in den anderen schon ein Paar sind...

Warum die Autorin diesen chronologischen Bruch wählte, weiß ich nicht...

Julie Otsuka:Wovon wir träumten

erzählt die wahre Geschichte junger Japanerinnen, die Anf. des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verliessen, um in den USA japanische Einwanderer zu heiraten. Diese Heiratskandidaten hatten sie nur über Bilder und Briefe einer Agentur kennengelernt. Dass die Briefe nicht von dem jeweiligen Bewerber verfasst worden waren und die Fotos teilweise veraltet oder gar einen anderen Mann zeigten, wußten die hoffnungsvollen jungen Frauen aus Japan nicht. Sie malten sich ihr neues Leben im fernen Amerika aus wie das Paradies auf Erden. Sie waren auf der Suche nach einem besseren Leben, als dem, das sie in Japan hinter sich liessen. Aber es kam doch anders....Und zwar für jede auf ihre Weise. Julie Otsuka beschreibt diese Lebensgeschichten, Träume und zerplatzten Hoffnungen auf eine sehr stille,eindrückliche Weise. Durch die Wir-Erzählperspektive wird dem Leser  der Eindruck vermittelt, die Erzählerin sei eine von denen, deren Schicksal beschrieben wird. Sie ist einerseits ganz nah dran, hegt aber dennoch eine gewisse Distanz, da sie nie von ihrem eigenen, persönlichen Schicksal schreibt.Mich hat das Buch sehr berührt! Ob das nun an der ungewöhnlichen Erzählperspektive lag oder doch eher an den einzelnen kleinen, teils auch größeren Dramen, vermag ich gar nicht zu sagen. Schaut euch bitte auch die Infos beim Mare-Verlag an.

5. August

Adressat unbekannt

von Kressmann Taylor ist nicht neu, aber wiederentdeckt und nochmal neu bei Hoffmann & Campe aufgelegt. Bereits im Jahr 2002 sorgte es bei deutschen Rezensenten für Aufsehen. Ich gehöre zu denen, die es erst jetzt gelesen haben und ich kann nur sagen: was für ein Buch!! Auf gerade mal 60 Seiten, die in Briefform geschrieben sind, erzählt eine weitgehend unbekannte Autorin eine Geschichte, die berührender,aufwühlender nicht sein könnte. Bereits 1938 erschien dieser kleine Roman im  New Yorker Story Magazine. Kressmann Taylor läßt den Leser mittels Briefwechsel  zwischen zwei wirklich guten Freunde teilhaben an einem Drama, wie es sich zu jener Zeit womöglich tausendfach abgespiekt haben mag. Der Eine, ein amerikanischer Kunsthändler jüdischen Glaubens, der Andere ein deutscher Künstler. Sie haben zusammen  eine Galerie in San Francisco  und sind Geschäftspartner und enge Freunde. Als der Deutsche 1932 wieder zurück in seine Heimat geht, um mit Frau und Kindern dort einen Neuanfang zu starten, fangen die beiden Männer an, sich regelmäßig zu schreiben. Von Brief zu Brief erleben wir nun mit, was sich in Deutschland ändert in dieser Zeit und wie sich diese politische Stimmung und das Rumoren im Volk auch auf die Freundschaft auswirkt. Das Ende wirkt unglaublich intensiv und man wird es nicht so schnell vergessen. 

Das Buch stellt in sehr komprimierter Form den Wandel in Deutschalnd dar. Was in Deutschland geschieht und  welche konkreten Hintergründe es gibt, bleiben weitgehend unklar. Hier ist der Leser gefordert. Wie war das damals nochmal? Ab wann waren die Nazis dran und was besagten die Ermächtigungsgesetze und und und...Je nach Schulbildung wird der eine oder andere mehr wissen oder weniger. Aber ich denke, dass wir alle bestimmte Bilder und Ereignisse des Dritten Reiches im Kopf haben. Und diese oftmals plakativen Bilder werden in dem Biriefwechsel auch gezielt heraufbeschworen. Wäre das Büchle erst nach dem Krieg erschienen, könnte man dies sicherlich kritisieren. Aber da es ja schon kurz vor Ausbruch des 2. WK erschien, zu einem Zeitpunkt als es den heutigen Leser mit seinen heute vorhandenen Bildern/Wissen noch nicht gab, kann man der Autorin dieses Stilmittel schwerlich vorwerfen. Das Buch regt zum Nachdenken und Diskutieren an!!

Elke Heidenreich hat zu diesem Buch geschrieben:

Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut,

in irritierender Kürze, kein Wort zuviel, keines fehlt.

Da stimme ich absolut mit ihr überein.

Ich wünsche diesem Buch ganz viele Leser !

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